Vor rund eineinhalb Jahren hat der Ortsverband Bündnis 90/Die Grünen bei der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) des Kreises Mayen-Koblenz beantragt, die rund 275 Jahre alte Winterlinde in der
Fallerstraße in Obermendig als Naturdenkmal auszuweisen. Der eindrucksvolle, gesunde Baum prägt das historische Ortsbild und bietet Lebensraum für Vögel, Insekten und Fledermäuse.
Nach langer Prüfung hat die Untere Naturschutzbehörde den Antrag nun abgelehnt. Zwar erkenne man die ökologische Bedeutung und die ortsbildprägende Wirkung an, gleichzeitig verweist die Behörde
jedoch auf den Druck, den der Baum auf die angrenzende Steinmauer ausübe. Aufgrund eines Gutachtens und der daraus abgeleiteten Verkehrssicherungsmaßnahmen ist der Bereich seit Frühjahr 2024
eingeengt und nur noch einspurig befahrbar. Eine Unterschutzstellung würde der Unteren Naturschutzbehörde zusätzliche Verantwortung und mögliche Haftungsrisiken aufbürden.
Der Ortsverband sieht weiterhin offene Fragen: So ist unklar, warum nach dem Verkauf des Grundstücks durch die Pfarrgemeinde St. Genovefa an einen privaten Investor plötzlich eine akute
Gefahrenlage angenommen wird. Alte, unauffällige Gipsmarken an der Mauer wurden entfernt und durch neue, nicht fachgerecht dokumentierte Marken ersetzt – ohne Hinweise auf relevante Bewegungen
der Mauer.
Hinzu kommt, dass seitens des Eigentümers ein Antrag zur weiteren Nutzung des Grundstücks gestellt wurde. Leider ist die Stadtverwaltung bislang nicht so transparent, dass für die Mendiger
Öffentlichkeit relevante Informationen in dieser Angelegenheit umfassend bekannt gemacht werden. Der Ortsverband der Grünen befürchtet, dass die Mauer als Zufahrt weichen und der durch die
städtische Baumschutzsatzung geschützte Baum einem Bauvorhaben im historischen Ortskern Platz machen soll. Auffällig ist zudem, dass seit Längerem keine Pflegemaßnahmen mehr an der Linde
erfolgen, was das Risiko von natürlich bedingtem herabfallendem Totholz erhöht.
Aus Sicht der Grünen fehlt es bislang an behördlichen Maßnahmen, um die bestehende Gefährdung durch die Mauer zu beseitigen. Der Ortsverband hat der Stadt Mendig bereits vorgeschlagen, den
schmalen, derzeit nicht nutzbaren Gehwegbereich entlang der Mauer für eine geordnete und denkmalgerechte Sanierung freizugeben.
„Trotz der aktuellen Entwicklungen hoffen wir, dass dieser älteste Baum Mendigs erhalten bleibt. Er ist ein wichtiger Teil unserer Natur- und Ortsgeschichte“, so der Ortsverband.

Kommentar schreiben